«Es braucht Mut, neugierig zu bleiben und ab und zu ein "ich weiss nicht" zu sagen….»

Vier Fragen an Christian Petit

Gründer des Beratungsunternehmens advisum-consulte.ch¸ ehemaliges Mitglied der Konzernleitung von Swisscom. Er leitet zusammen mit Tobias Karcher das Seminar «Digital Transformation», welches vom 23. - 25.10.2019 im Lassalle-Institut stattfindet.


Christian Petit, welche Anforderungen stellen sich an Führungspersönlichkeiten in Zeiten der digitalen Transformation?

Führungspersonen sind Menschen, die schon immer gefordert waren, Spannungen zu managen. Es fällt auf, dass im digitalen Zeitalter diese Spannungen an Anzahl und Intensität zunehmen. Dies kann Führungskräften an ihre Grenzen bringen. Wie kann ich zum Beispiel Sinn stiften in einer Welt, die immer weniger berechenbar ist? Wie kann ich noch langfristig denken und handeln, wenn die Digitalisierung alles beschleunigt? Wie soll ich noch entscheiden, was ich machen darf oder nicht, wenn die Technologie mich und meine Firma fast allmächtig macht? Im Seminar wollen wir uns mit diesen Spannungen auseinandersetzen und die Teilnehmenden darin unterstützen, in diesem Kontext gute Entscheidungen zu treffen.


Als ehemaliges Konzertleitungsmitglied der Swisscom haben Sie ein führendes Schweizer Unternehmen, welches auf einem schnelllebigen, digitalen Markt mitspielt, massgeblich mitgestaltet. Was ist Ihnen für Ihr eigenes Führungsverständnis wichtig geworden?
Wir Führungspersonen haben nicht das Fachwissen und die Erfahrung, all diese technologischen Entwicklungen zu verstehen; aber wir spüren, dass sie die Zukunft in unserem Unternehmen prägen. Es braucht Mut, neugierig zu bleiben und ab und zu ein «ich weiss nicht» zu sagen. Oft sind viele Menschen in unserer Organisation mutiger und fähiger als wir selber. Es braucht ein Signal vom Chef, der diese Kreativität nicht nur zulässt, sondern begrüsst, um damit gemeinsam die Richtung zu finden, zu welchen Innovationen diese Technologien beitragen sollen. In dieser Dynamik wird eine gesunde Fehlerkultur unumgänglich. Der Manager schafft diese Kultur zuallererst mit seinem eigenen Vorbild.


Sie bieten zusammen mit Tobias Karcher ein Seminar an, welches Führungspersönlichkeiten in Zeiten der digitalen Transformation darin unterstützen will, Angesichts der Anforderungen menschlich und fachlich gut agieren zu können. Für wen ist dieses Seminar gedacht?
Das Seminar richtet sich an Führungskräfte, die sich in diesem digitalen Zeitalter gefordert und herausgefordert fühlen. Und ich denke, es sind viele! Wichtig ist, dass die Teilnehmenden nicht zu uns kommen, weil sie einfach «turnkey» Lösungen finden wollen - diese gibt es nicht - sondern weil sie bereit sind, ihre eigenen Erfahrungen und Unsicherheiten mit den anderen Teilnehmenden offen und ehrlich auszutauschen. Der wunderbare Ort und Kontext des Lassalle-Hauses schenkt uns dafür einen geschützten Raum, wo diese Ehrlichkeit entstehen darf.


Welchen Gewinn werden die Teilnehmenden aus dem Seminar mitnehmen können?
Nach dem Seminar werden die Teilnehmenden besser ausgerüstet sein, um mit den Anforderungen unserer Zeit umgehen zu können. Die Spannungen, die sie zu managen haben, werden sie bewusster erkennen können. Sie werden befähigt, die Reflektionen und Fragen, die sie brauchen, um gut zu entscheiden, differenzierter zu nutzen. Mein Wunsch ist, dass sie in diesem digitalen Zeitalter mit mehr Zuversicht und Freude führen werden.

 

Das Interview wurde in schriftlicher Form geführt.